Trauernde einfühlsam begleiten

125 Jahre alt wird das Bestattungshaus Lategahn im Mai dieses Jahres. Jahrzehnte, in denen sich viel getan hat. Inzwischen wird von der Vorsorge über die Trauerrede bis zur Bestattung und auch der Zeit danach ein weites Spektrum angeboten.

Im Jahr 1894 warb in einer Zeitungsanzeige der Schreinermeister Karl Lategahn, genannt „Meister Blitz“, mit ausgesucht höflichen Worten um Kunden für seinen neuen Betrieb: „Den geehrten Einwohnern von Hörde und Umgebung zeige ich ergebenst an, dass ich in hiesiger Stadt eine Bau- und Möbelschreinerei verbunden mit Sargmagazin eröffnet habe.“

Um geneigten Zuspruch bat der Firmengründer zum Schluss noch. Und die Hörder, damals noch in ihrer eigenen Stadt lebend, nahmen das Angebot dankbar an. Susanne Lategahn ist heute noch ein wenig ergriffen, wenn sie die Anzeige vor Augen hat, die der Firmengründer und Vorfahr ihres Mannes, des heutigen Inhabers Bernd Lategahn, in die Zeitung brachte. Denn was Karl Lategahn damals begonnen hat, wird in diesem Jahr im Mai 125 Jahre alt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Bernd, einst jüngster Schreinermeister in NRW und Bestattermeister, führt sie das Bestattungshaus nunmehr in vierter Generation. Die fünfte steht bereits in den Startlöchern: „Unser Sohn wird nach seinem im Sommer 2019 abgeschlossenen BWL-Studium zu uns in die Firma kommen“, freut sie sich.

Susanne Lategahn liebt ihren Beruf, er sei „der schönste der Welt“.

Der schönste Beruf der Welt

Vieles hat sich geändert seit den Tagen von Meister Blitz. Nicht nur, dass es neben Filialen in Aplerbeck und Berghofen eine erfolgreiche Dependance in der Nachbarstadt Schwerte gibt. Eines aber ist geblieben. Die Grundeinstellung, der sich jeder Einzelne im Haus verpflichtet fühle: „Jeder Kunde wird hier behandelt, als sei er der einzige – und immer der wichtigste“, sagt sie. Dass Susanne Lategahn ihren Beruf – für sie schlicht „der schönste der Welt“ – mit Hingabe ausübt, zeigt auch, dass sie seit vielenJahren universitätszertifizierte Trauerbegleiterin und Trauerrednerin ist.

Etwa zweimal in der Woche spricht sie die letzten Worte für Verstorbene, Anfragen gibt es deutlich mehr, aber das kann sie ohne Qualitätsverlust nicht leisten. Und sie spricht über den mehr zufälligen Beginn dieses Teils ihres Berufes: „Vor vielen Jahren hatte ich engeren Kontakt zur Tochter einer Frau, die nebenan im Seniorenheim lebte. Als die alte Dame starb, fragte die Tochter, ob ich nicht die Trauerrede halten könnte“, erinnert sie sich. Susanne Lategahn sagte zu. Und bekam am Ende so viel Zuspruch und neue Anfragen, dass sie sich entschied, diesen Dienst auch anderen Trauernden anzubieten.

Mit Erfolg. Wenn sie selbst nicht kann, übernimmt ein Kollege, den sie schon lange kennt und schätzt: „Der Wunsch nach weltlichen Abschiedsreden ist heute eher die Regel als die Ausnahme“, so ihre Einschätzung.

Empathie sei neben der fachlichen, qualifizierten Ausbildung schlicht die wichtigste Eigenschaft für einen Bestatter, ist die Fachfrau überzeugt: „Wir sind Ausbildungsbetrieb und legen großen Wert auf Nachwuchsförderung. Natürlich ist man sich täglich bewusst, dass es nicht das eigene Familienmitglied ist, das man auf seinem letzten Weg begleitet. Aber Empathie, die Fähigkeit, sich vorzustellen, wie es dem Gegenüber gehen mag, das ist essenziell. Das soll immer so bleiben bei uns.“

Trauernden Eltern Beistand zu leisten sei eine besonders schwere Verpflichtung, der man sich stellen müsse, auch wenn es die richtigen Worte für das Unbegreifliche wohl nicht gibt. Dennoch würde Karl Lategahn sicher staunen, wenn er mit Stolz sähe, was aus seinem Geschäft an der Hochofenstraße geworden ist. „Früher haben die Menschen hier den Sarg ausgesucht und den Bestatter die eine oder andere Formalität erledigen lassen.“

Mit dem Einsatz der Sargträger endete sein Engagement dann meist. Heute gibt es im Bestattungshaus Lategahn ein Rundum-Angebot, das weit über den Tag des Abschieds hinausgeht, beschreibt Susanne Lategahn.

Die Regel als die Ausnahme

Eine Trauerhalle steht ebenso zur Verfügung wie zwei Cafés mit dem bewusst gewählten Namen BEGEGNUNG für das Miteinander danach: „Ein großer Vorteil daran ist sicherlich, dass ältere Menschen keine langen Wege zu bewältigen haben und wir hier bei den Trauerfeierlichkeiten keinerlei Zeitdruck haben.“ Wer mag, kann seine Angehörigen aber auch bei Lategahn bestatten lassen. Im „Kolumbarium“, das seit 2015 in Hörde und bereits seit dem Jahr 2010 in Schwerte im Bestattungshaus besteht, einzigartig in Dortmund und Schwerte. Vorausgesetzt, die Hinterbliebenen oder der Verstorbenehaben sich im Vorfeld für eine Feuerbestattung entschieden. Und das ist inzwischen eher die Regel als die Ausnahme: „Früher haben die Menschen zu mehr als 75 Prozent auf einer Sargbestattung bestanden. Heute ist das Verhältnis nahezu umgekehrt.“ Nur noch etwa ein Viertel der Kunden wünsche sich eine Erdbestattung. Unter anderem, weil das die Grabpflege für die Angehörigen erheblich erleichtert – „ein Thema, das vielen Menschen in Zeiten beruflicher Dauerbelastung immer wichtiger wird. Man möchte auch nach seinem Tod niemandem zur Last fallen“, weiß die Expertin.

Wer sich für das Kolumbarium entscheidet, erhält eine Chipkarte und somit von morgens bis abends dauerhaft Zutritt zur Begräbnisstätte. Natürlich auch am Wochenende. Ordnungsamt, Bezirksregierung und nicht zuletzt der kirchliche Träger haben ihren Segen für die Einrichtung gegeben, die von der altkatholischen Kirche getragen und vom Bestattungshaus betrieben wird. „Das Genehmigungsverfahren für unser erstes Kolumbarium in Schwerte war kompliziert und langwierig“, erinnert sich Lategahn. Das Kolumbarium ist religionsunabhängig; jeder kann einen der 500 Plätze buchen, von denen bereits ein großer Teil belegt ist. „Das Modell ist so erfolgreich, dass wir in Hörde bereits erweitern müssen und werden“, sagt Susanne Lategahn.

Auch am Tag unseres Besuches sind Trauernde zu Gast im Kolumbarium und werden von der Inhaberin selbstverständlich mit Namen angesprochen. Man kennt sich. Wer mag, kann sich während der stummen Zwiesprache mit dem Verstorbenen in einen Sessel setzen und im geschützten Raum Zwiesprache halten. Susanne Lategahn hat aber noch weiter gedacht und schon vor fast 20 Jahren das Trauercafé „Wege zurück ins Leben“ gegründet, in dem sich Hinterbliebene mit anderen Betroffenen austauschen und ihre sehr persönliche Art der Trauerbewältigung entwickeln können: „Kostenlos und für jeden Trauernden, nicht an die Inanspruchnahme unseres Hauses gebunden“, wie die 66-Jährige betont. Es sei der samaritische Gedanke, der zu solchen Angeboten im Haus führe.

Eine Beerdigung hat ihren Preis

Ein Thema liegt Susanne Lategahn noch am Herzen: Vorsorge. Immer öfter kämen Menschen, um schon zu Lebzeiten zu regeln, was nach ihrem Tod passieren soll. Häufig wird sie von den unterschiedlichsten Organisationen eingeladen zum Thema Vorsorge, aber auch zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Die Nachfrage nach Vorsorgeverträgen sei in den vergangenen Jahren „explosionsartig gestiegen“.

Die Beratung ist zunächst kostenlos. Eine Bezahlung wird erst für konkrete Maßnahmen fällig. „Eine Beerdigung hat ihren Preis, aber muss nicht extrem teuer sein“, weiß die Expertin. Und wer finanziell sehr schlecht gestellt ist, bekommt im Bestattungshaus Lategahn auch Informationen darüber, welche Kostenträger er oder sie ansprechen kann.

„Würde darf keine Frage des Preises sein“, auch das ist ein Credo im Hause Lategahn. „Wir sind ein Team, nur mit unseren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind wir stark und leistungsfähig“, bekräftigen Bernd und Susanne Lategahn den Wert des Miteinanders.

Das Lategahn-Team (v. l.): René Dietzel, Anke Dickhöfer, Anika Bobb, Susanne Lategahn, Bernd Lategahn, Raphaela Kernspecht-Schletter, Dagmar Plötzner, Alexander Lategahn, Julia Fialek, Bettina Kirschbaum, Martina Heinze.

Erschienen in den Ruhrnachrichten

Stolz, froh und sehr dankbar feiern wir in diesem Jahr das 125-jährige Bestehen unseres Unternehmens und laden herzlich ein:

Wir beginnen mit einem Konzert des Hörder Gospelchors „Um Himmels Willen“ am Freitag, 24. Mai 2019 um 19:00 Uhr im Cafe Begegnung,
Hochofenstraße 16.

Am Samstag, 25. Mai 2019, öffnen wir ab 14:00 Uhr unser gesamtes Haus zu einem Tag der offenen Tür in Hörde, zu dem wir ebenfalls herzlich einladen.

Am Sonntag, 26. Mai 2019, freuen wir uns über Ihren Besuch in Schwerte, Rathausstraße 14a, ebenfalls ab 14:00 Uhr, nicht vergessen: Erst zur Europawahl, dann zu Lategahn!